Liquid Alternatives – eine Einordnung

Alternative Investments erfreuen sich in den vergangenen Jahren einer immer größeren Aufmerksamkeit. Sie bezeichnen ein breites Segment, welches sehr heterogen ist und einer Sortierung bedarf. In diesem Kurzartikel erfolgt eine Einordnung.

Hohe Nachfrage nach nicht korrelierten Renditen

Geringe Renditen an traditionellen Märkten treiben Investoren in Alternative Investments. Wer nicht in illiquide Anlagenbereiche wie Private Equity, Infrastruktur oder direkte Kreditvergabe investieren möchte oder kann, der sucht nach liquiden Absolute Return Lösungen. Damit lassen sich auch im heutigen Marktumfeld 5‑10 % Rendite mit überschaubaren Risiken erzielen. Dementsprechend groß ist die Nachfrage in diesem Segment.

Reifeprüfung

Der Bedarf an regulierten, liquiden und rentablen Alternativen ist groß. Auf der anderen Seite haben viele „Liquid Alternatives“ besonders in 2018 enttäuscht. Es hat sich die Spreu vom Weizen getrennt und nur wenige Konzepte haben langfristig (3+ Jahre) einen Mehrwert erbracht.

Alpha und Beta als Einordnungshilfe

Die Ansätze und Investment-Strategien in diesem Segment sind vielfältig und direkte Vergleiche nur schwer möglich. Eine gute Hilfe zur Einordnung sind diverse Konzepte von Alpha und Beta – also die konzeptionelle Unterscheidung, ob Renditen in erster Linie durch aktives Management („Alpha“) erzielt oder einfach Risikoprämien für systematische Risiken („Beta“) vereinnahmt werden. Ein wesentlicher Aspekt von „Beta“ ist, dass die systematischen Risiken nicht notwendigerweise auf traditionelle Anlageklassen beschränkt sind, sondern auch weniger geläufige Risiken wie Term Premium, Carry, Momentum und Volatilität zum Einsatz kommen – womit der Begriff „Alternative Beta“ entstand. Eines ist aber all diesen Strategien gemeinsam: Sie werden grundsätzlich frei von Benchmarks betrieben und dementsprechend dem Überbegriff „Absolute Return“ zugeordnet. Damit unterscheiden sich alle hier besprochenen Ansätze fundamental von Strategien zur Indexoptimierung („Smart Beta“).

Alpha-Strategien bieten regulierte, liquide und marktunabhängige Renditen

Solange es bei „Liquid Alternatives“ um „Alpha“ geht, sind die Themen Regulierung und Liquidität wichtige Entscheidungskriterien. An den Gebühren für die Managementleistung ändert sich durch den UCITS-Mantel meist wenig. Inzwischen werden die Anlagestrategien zunehmend anhand der regulatorischen Rahmenbedingungen ausgewählt. Damit wurde die Wahrscheinlichkeit, auch im engmaschigen UCITS-Umfeld gute Ergebnisse zu erzielen, stark erhöht.

Höhere Nettorenditen mit Beta-Strategien

Um Fondskosten zu minimieren, sollte der Fokus auf passiven Beta-Strategien liegen. Für Anleger, die damit rechnen, dass ihre aktiven Manager weniger Mehrwert als Gebühren erbringen, ist dieser Ansatz definitionsgemäß die erste Wahl. Es handelt sich hierbei typischerweise um quantitative Ansätze, die grundsätzlich in drei Gruppen unterteilt werden können.

  1. Von „Alternative Beta-Strategien“ spricht man, wenn Risikoprämien außerhalb der traditionellen Anlageklassen vereinnahmt werden. Die zugrunde liegenden systematischen Risiken können sehr unterschiedlich sein, von Faktorrisiken im Aktienmarkt und Term Premium im Anleihenmarkt bis hin zu Momentum, Carry, Volatilitätsprämien und Übernahmerisikoprämien. Diese sind die Grundlage für eine der zentralen Eigenschaften, die in Alternative Investments gesucht werden: Diversifikation von den beiden dominierenden Risikofaktoren – Aktienmarktrisiken und Duration.
  2. Konzentriert sich die Strategie auf traditionelle Anlageklassen, mit einem Fokus auf Risikomanagement und -beschränkung, erhalten wir die zweite Kategorie von Beta-Strategien. Im einfachsten Fall ist das „Risk Parity“. Durch Verwendung von gewohnten Anlageklassen vermittelt diese Kategorie oft den größten Bekanntheitsfaktor, dies aber zu Lasten von nicht genutztem Potenzial zur Verbesserung von Rendite und Diversifikation.
  3. Die dritte Kategorie von Beta-Strategien wurde direkt aus der Hedgefondsindustrie abgeleitet, durch Faktorreplikation erzielter, historischer Hedgefondsrenditen. Solche Hedgefondsreplikatoren werden in verschiedenen Varianten angeboten, stoßen aber aufgrund konzeptioneller Fragen und der direkten Assoziation mit der Hedgefondswelt sowie zum Teil wenig überzeugenden Ergebnissen auf verhältnismäßig geringe Akzeptanz.

Ob Alpha oder Beta: Die Diversifikation steht im Focus

Gemeinsam ist allen „Liquid Alternatives“ die Eigenschaft, einen einfachen Zugang zu alternativen Anlagestrategien zu bieten. Angesichts niedriger Zinsen und der Hausse der vergangenen Jahre wird es zunehmend wichtig alternative und marktunabhängige Ertragsquellen auszunutzen. „Liquid Alternatives“ bieten einen alternativen Zugang zur Diversifikation und können, richtig eingesetzt, das Risiko-Ertrags-Profil verbessern!

 

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