„Ein Unternehmen für die nächste Generation“

Welche Idee steckte hinter der Gründung von Prime Capital vor 10 Jahren? Was sind die Meilensteine der Entwicklung? Was sind die Treiber des Erfolgs? Lesen Sie unser Interview mit Wolfgang Stolz, CEO und Gründer des Unternehmens.

Herr Stolz, was macht Sie als Unternehmer glücklich?

Sehr viele Dinge. Wenn ich zum Beispiel sehe, dass die Bürotüren der ‚alten Hasen‘ für die Jungen in unserem Team offen stehen, dass der Wettbewerb untereinander fair und von Respekt bestimmt ist, dass Mitarbeiter abends mit einem zufriedenen Lächeln ihre Büros verlassen und dass sie morgens gerne wiederkommen – nicht nur, weil sie bei Prime Capital ihren Lebensunterhalt verdienen. Dies sind wichtige Signale für mich, dass unsere ‚Leistungskultur‘ gelebt wird. Sie ist bestimmt von Offenheit, Fairness, Integrität, gegenseitigem Vertrauen und – nicht zu allerletzt – von einer gewissen Lockerheit. Eben eine gesunde Mischung deutscher Bodenständigkeit und angelsächsischer Lockerheit.

Stichwort ‚angelsächsische Unternehmenskultur‘ – wo haben Sie entsprechende Erfahrungen gesammelt?

Vor der Gründung von Prime Capital im März 2006 habe ich 22 Jahre in globalen Bankhäusern gearbeitet. Das war sicherlich eine sehr spannende und abwechslungsreiche Zeit, die von unheimlich starkem Wachstum in allen Bereichen der Finanzbranche geprägt war. Nach mehreren Stationen bei großen, teils angelsächsischen Investmentbanken ging ich 1993 zur UBS in die Derivate-Abteilung nach London. Dort habe ich das Geschäft mit Alternative Investments (insb. Hedge Funds) von der Pike aufgebaut und über viele Jahre geprägt. Schon damals war mein Arbeitsalltag von starkem Unternehmertum geprägt und ich konnte nach freiem Ermessen ein nachhaltig erfolgreiches kundenbasiertes Geschäft aufbauen.

Was war für Sie eigentlich der Anstoß, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen?

Grundsätzlich hatte ich schon immer den Traum, mein eigenes Unternehmen zu gründen und dies nach meinen Ideen und Prinzipien zu gestalten. Insofern war der Schritt in die Selbstständigkeit nur eine Frage der Zeit und eine logische Konsequenz meines persönlichen Werdegangs. Die Initialzündung, neue Wege zu gehen, kam durch den Paradigmenwechsel in der Bankwelt in den 2000er Jahren. Nachhaltiges Kundengeschäft geriet immer mehr aus dem Blickfeld. Eine Entwicklung, die letztendlich zur Finanzkrise beigetragen hat. Ich war überzeugt, dass nun der richtige Moment gekommen war, eigene Wege zu gehen und ein Unternehmen aufzubauen, dass es mir ermöglicht, das Geschäft mit Alternative Investments nachhaltig und mit meinen ethischen Grundsätzen vereinbar weiterzuentwickeln. So wollte ich mit meinem Schritt in die Selbstständigkeit auch den Beweis antreten, dass innovatives und bodenständiges „Financial Engineering“ nach dem Vorbild deutscher Wertarbeit möglich und dem schnelllebigen angelsächsischen Investment Banking überlegen ist.

Wie verlief Ihr Start als Unternehmer in Frankfurt?

Es kommt nicht allzu oft vor, dass sich Banker als Unternehmer selbstständig machen, zumal nicht in Frankfurt, sondern üblicherweise in London. Aber ich hatte die richtige Idee zur richtigen Zeit. Der eigene Ansatz, im Geschäft mit Alternative Investments auf Nachhaltigkeit zu setzen, stieß auf einiges Interesse im Markt. Die Entscheidung, unseren Hauptsitz in Frankfurt zu etablieren, hat dieses Anliegen natürlich auch besonders unterstrichen.

Wann ereignete sich das erste Meilenstein-Ereignis Ihrer Unternehmensgeschichte?

Recht bald nach der Gründung von Prime Capital trat ein Investor an unser „Start-up“ heran und vertraute uns ein Mandat von über 2 Milliarden Euro an. Dies war für mich ein sehr bewegendes Ereignis. Hier war jemand, der meinem persönlichen Track Record vertraute und nicht ausschließlich auf etablierte Häuser setzte. Dank dieses Mandats konnte ich ein Team aufbauen und Wachstum schaffen. Wir haben mit zwei Leuten als Untermieter im Frankfurter Westend angefangen. Jetzt sind es mehr als 50 Angestellte aus über einem Dutzend Länder, verteilt auf drei europäische Standorte und mit marktführendem Know-how in den Assetklassen Absolute Return, Private Debt und Infrastruktur.

Was motiviert Topkräfte, sich Ihnen anzuschließen?

Es ist in der Tat so, dass viele gute Leute in die etablierten Häuser mit prestigeträchtigen Namen wollen. Obwohl wir relativ jung sind, hatte unser Name nach dem ersten großen Coup einen gewissen ‚Coolness-Faktor‘. Hier war ein kleiner Player, der es den ‚Großen‘ gezeigt hatte! Was uns darüber hinaus anziehend macht, ist unsere ‚Leistungskultur‘. Wir fordern einander unheimlich viel, begegnen uns aber stets auf Augenhöhe. Auch die jüngeren Kollegen erhalten bei uns schon sehr früh ein hohes Maß an Freiraum, können Ihre eigenen Ideen und Projekte unternehmerisch verfolgen und sich somit stetig weiterentwickeln. So können wir gute Leute bekommen – und vor allem langfristig halten.

Wie haben Sie die Finanzkrise erlebt?

Natürlich haben auch wir die Krise sehr deutlich zu spüren bekommen. Glücklicherweise war ich in der Lage, das Unternehmen durch mein persönliches Engagement zu stabilisieren. Als dann die Zinsen immer weiter sanken, wurden Alternative Investments immer attraktiver. Auch die zunehmende Regulierung macht es für Investoren immer schwieriger, mit traditionellen Anlagen Geld zu verdienen. Heute sind Alternative Investments bei vielen Investoren positiv belegt. Auch sehen wir einen Trend zum „Onshoring“, also eine Zunahme der Aktivitäten im regulierten europäischen Wirtschaftstraum.

Ist die Nische zum Mainstream geworden?

Definitiv, wie das Beispiel Private Debt Fonds zeigt: Früher von Banken aufgelegt, werden sie heute oft im Rahmen von Alternative Investments angeboten. Grundsätzlich tragen wir mit unseren Angeboten dazu bei, dass die Geldtöpfe dorthin kommen, wo die Realwirtschaft Finanzierungsbedarf hat. Das ist auch von der Politik ausdrücklich gewünscht, und wir freuen uns, mit unserer Arbeit zur Schaffung echter Werte beizutragen. So ist es für uns eine große Bestätigung, wenn wir z. B. aktuell dazu beitragen können, die Energiewende von der Theorie in die Praxis umzusetzen, oder durch innovative Finanzierungsstrukturen im Bereich Private Debt Unternehmen zu einer effizienteren Verwirklichung ihrer Kapitalmaßnahmen verhelfen.

Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?

Wir vertreten die Überzeugung, dass es nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Durchführungswege ankommt. Unser Geschäftsmodell ruht auf zwei Säulen: Asset-Management plus Durchführungswege, inklusive fortlaufender Betreuung und Risikomanagement. Wir sorgen zuverlässig dafür, dass attraktive alternative Investmentformen auch sicher und reibungslos in die Bilanzen kommen. Prime Capital ist in dieser Kombination und Größe einzigartig. Große Investmenthäuser – auch solche, die zu Banken gehören – spezialisieren sich vornehmlich auf das Asset-Management, während kleinere Anbieter sich um die „technische Umsetzung“ kümmern. Wir sind groß genug, um beides zuverlässig anzubieten, aber auch jung genug, um flexibel und innovativ zu agieren. Als begeisterter Wassersportler würde ich sagen: wir sind Speedboot und Fregatte in einem. Darüber hinaus sind wir wirklich unabhängig. Bei uns sind keine Investoren, Banken oder Finanzinvestoren beteiligt und wir gehören nur uns selbst. Das macht uns für viele potenzielle institutionelle Anleger interessant – und frei für alle möglichen neuen Mandate.

Was sind Ihre Pläne und Visionen für die Zukunft?

Es ist unser Ziel, in den nächsten Jahren in die Top 5 unter den Anbietern für Alternative Investments in Kontinentaleuropa zu kommen. Wir möchten weiter dazu beitragen, mit echten Werten Wohlstand und Wachstum zu schaffen. Nachhaltig und ethisch einwandfrei. Als Unternehmer mit Herzblut wünsche ich mir, das Unternehmen später an eine neue Generation hungriger und inspirierter Nachfolger zu übergeben. Es geht mir nicht darum, zu verkaufen, sondern etwas zu schaffen, das bleibt. Für den Wohlstand zukünftiger Generationen. Dafür stehe ich ein.

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